| Aktuelles |
| Ein Fallbericht: Betulin Emulsion hilft bei therapieresistenter Gürtelrose |
Aus der Universitäts-Hautklinik Freiburg wird über die erfolgreiche Behandlung eines schweren, nekrotisierenden Herpes Zoster mit einer Betulin-basierten Emulsion ( Imlan Creme Pur) berichtet. Die Anwendung der Betulin- Emulsion erfolgte nachdem der immungeschwächte Patient nicht auf die übliche Standardtherpie ansprach. Dieser Fallbericht zeigt eine außergewöhnliche Hautverträglichkeit und wundheilungsfördernde Eigenschaften der Betulin-Emulsion. |
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| Historie |
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Die Heilkraft der BirkeSchon vor Jahrhunderten setzten die verschiedensten Völker Betuline als heilende Wirkstoffe ein - allerdings ohne sie so zu nennen. Intuitiv nutzten sie die Birkenrinde zur Linderung ihrer Beschwerden, insbesondere bei Hautkrankheiten. Das verwundert aus heutiger Sicht nicht: Schließlich ist die äußere Schicht der Birkenrinde Hauptlieferant von Betulin. Bis zur ersten wissenschaftlichen Beschreibung durch Lowitz (1788) sollte es allerdings noch einige Jahrhunderte dauern. Doch nicht nur die Birkenrinde verfügt über ein Heilpotenzial, auch andere Teile der Birke, etwa Auszüge aus den Blättern oder Birkensaft wurden und werden noch immer zu medizinischen Zwecken eingesetzt. Erstmals erwähnte der römische Naturforscher und Gelehrte Plinius der Ältere (23 bis 79 n. Chr.) in seinem Werk Naturgeschichte (Naturalis Historia) die Birke als "gallica arbor", Baum der Gallier. Aus dem Saft des für Plinius exotisch aussehenden Gewächses stellten diese nach seinen Beobachtungen einen zähen, leimigen Saft her, den sie als Vorläufer des Pflasters auf Wunden klebten. Renaissance im 12. JahrhundertIm indogermanischen Lebensraum etablierte sich ein regelrechter Birkenkult. Birken hatten einen exponierten Status als Lebens- und Fruchtbarkeitsbaum inne. Der traditionelle Maibaum ist ein Relikt aus dieser Zeit. In ihrer Verehrung für den Baum tranken die Germanen außerdem den dickflüssigen Birkensaft als Schönheits- und Kräfteelixier. Ähnlich hielten es die nordischen Völker: Diese beherrschten die Kunst des Birkenmetbrauens und gönnten sich außerdem ab und an ein Gläschen Birkenwein. Die Ureinwohner Nordamerikas setzten die Birke in noch größerem Stil als Heilgewächs ein. Sie verbrannten beispielsweise das Holz, desinfizierten mit der Asche Quarantänezelte und behandelten mit dem rauchgrauen Staub bakterielle Hautkrankheiten. Im 12. Jahrhundert erlebte die Birke eine Renaissance in Europa: Die naturmedizinisch bewandte Äbtissin Hildegard von Bingen versorgte offene Wunden mit geriebener Birkenrinde und gab dieses Wissen klösterlicher Heilkunst an ihre Nachfolgerinnen weiter. Im weiteren Verlauf des Mittelalters konzentrierte sich die Heilmittellehre auf die Blätter der Birke: Einen Sud aus Blättern des Baumes empfiehlt Hildegard zur Anregung der Harnausscheidung. Die Gelehrten im 13. und 14. Jahrhundert setzten auf den Blättertee im Kampf gegen Nierensteine. Gleichzeitig sollte er als Allheilmittel auch Mundfäule, Gelbsucht, Leberleiden und Hautflecken beseitigen. Der erfolgreichen Behandlung von Nieren- und Blasenkrankheiten verdankt die Birke ihren Beinamen "Europäischer Nierenbaum". Historische Begegnung mit Betulin"Die kleinen weißen Flocken, welche auf der weißen Rinde des Birkenholzes erscheinen, wenn es in einer bestimmten Nähe an offenes Feuer gebracht wird, und die von Zeit zu Zeit verfliegen, sind eine sehr artige, weiße, zarte Vegetation, die ich erst durch Zufall bemerkte, und sie dann durch Übung schön und häufig sammeln lernte", schrieb Johann Tobias Lowitz über seine erste Begegnung mit dem Betulin 1788. Und die ist rückblickend als historisch zu bezeichnen: Der Chemiker war nämlich nicht nur der erste Wissenschaftler, der das Betulin aus der Birkenrinde untersuchte und beschrieb, er hat mit dem Betulin den ersten Wirkstoff überhaupt aus einer Pflanze isoliert. Wirkstoff der Zukunft - Creme ohne Emulgator und KonservierungsstoffeZahlreiche Versuche, das Betulin für die äußerliche Anwendung in einer Creme oder Salbe zu integrieren, scheiterten bis vor kurzem, da die Substanz sowohl hydrophob (Wasser abweisend) als auch lipophob (Fett abweisend) ist. Mittlerweile überwand die Forschung jedoch auch diese Hürde: Das Betulin wird in einem patentierten Verfahren aus der Birkenrinde extrahiert und bildet zusammen mit Pflanzenöl ein Gel - das so genannte Betulin-Oleogel. Unter der Zugabe von Wasser nimmt das Betulin-Oleogel schließlich die Konsistenz einer Creme an, die ohne Emulgatoren und zusätzliche Hilfsstoffe auskommt. Aufgrund der zusätzlichen antibakteriellen Wirkung des Betulins müssen der Creme auch keine Konservierungsstoffe zugesetzt werden. Inwieweit Betuline auch zur Einnahme geeignet sind, steht noch nicht fest. Derzeit forschen Wissenschaftler weltweit an möglichen weiteren Einsatzgebieten in der Medizin. Ob als Sud, Trank, Pflaster oder Pulver - schon immer glaubten die Menschen aus ihren Erfahrungen heraus an die besondere Heilkraft der Birke, ohne eine genaue Erklärung dafür zu haben. Die Betulin-Forschung gibt ihnen heute Recht. |
